Major-Sieger Henrik Stenson: Der “Iceman” taut auf

Der schwedische Golfprofi Henrik Stenson ist in der Welt-Elite bekannt für sein cooles Auftreten und seinen trockenen Humor, was dem Major-Sieger aus Göteborg seinen berühmten Spitznamen eingebracht hat. In der Turnierwoche der Porsche European Open in Hamburg verlor Stenson aber für kurze Zeit seine Zurückhaltung. Auf einem kurzen Road-Trip zwischen der Turnieranlage Green Eagle Golf Courses und der Hamburger Innenstadt mit seinem langjährigen Freund und Caddie der Woche, Marcus Larsson, diskutierten beide über die Rollenverteilung in ihrem Team, Stensons Leidenschaften – und spürten dabei erstmals die enorme Beschleunigung des Porsche Taycan Turbo S: „Das ist wirklich sehr besonders“, schwärmte der mehrmalige Ryder-Cup-Sieger hinterher.

Stenson, der selbst als sehr dynamischer Golfer bekannt ist, zeigte sich vor allem angesichts der Kraft-Potenziale des Elektro-Sportwagens ungewohnt euphorisch. „Die Power ist sofort da und sie bleibt die ganze Zeit – dieses Auto hört nie auf zu beschleunigen. Dieses beeindruckende Gefühl kenne ich nur aus der Achterbahn, wirklich eine Rakete“, so Stenson, der 2016 die Open Championship, das älteste Golf-Turnier der Welt, gewonnen hatte.

Stenson war nun selbst nicht mehr zu bremsen und schwärmte vom „fantastischen Handling. Ich fahre selbst gerne schnell. Das kann dieses Auto wirklich sehr, sehr gut.“ Ausgezeichnet funktioniert auch die Zusammenarbeit im Team Stenson/Larsson: Beide mögen schnelle Autos, teilen den Musikgeschmack und blicken gerne zurück auf einen gemeinsamen Camping-Trip im Wohnmobil. Eine derart beschleunigende Erfahrung wie im Taycan Turbo S hat das Duo jedoch noch nicht erlebt.

Bei allen Gemeinsamkeiten gibt es aber auch Unterschiede: Während sich der eine besser in Form hält, ist der andere der bessere Entertainer…

Große Spitzengruppe verspricht Spannung

Ein Bogey auf 36 Löchern: Der Australier Maverick Antcliff vermeidet auf dem sehr herausfordernden Porsche Nord Course bislang in sensationeller Weise Fehlschläge und sichert sich so vor der Finalrunde der Porsche European Open den Spitzenplatz bei insgesamt fünf unter Par an der Seite des Engländers Matthew Southgate. Hinter dem Duo lauern gleich 29 Spieler innerhalb von fünf Schlägen, darunter Titelverteidiger Paul Casey und der Italiener Edoardo Molinari, der mit 65 Schlägen die beste Runde des Tages spielte und sich um 60 Plätze auf den geteilten dritten Rang verbesserte. Das Rennen um den prestigeträchtigen Titel ist so offen wie selten.

Antcliff, der sich seine Tourkarte für die European Tour im vergangenen Jahr durch dominante Erfolge auf der China Golf Tour sicherte, schloss seine Runde mit drei Birdies ab. Dabei verpasste der 28-Jährige an der 17 das Hole-in-One und somit den Porsche Taycan Turbo S Cross Turismo nur um wenige Zentimeter. „Ich kann gar nicht wirklich sagen, warum mir dieser Golfplatz bislang so gut liegt. Ich versuche einfach, Fairways und Grüns zu treffen. Ich will geduldig bleiben. Es gibt viele tolle Löcher da draußen und man muss sich einfach in Position bringen und dann versuchen, die Chancen zu nutzen.“

Southgate: „Einer der besten Spieler mit dem Driver weltweit“

Co-Spitzenreiter Southgates starkes Wochenende bei den Porsche European Open kommt eher überraschend, nachdem er bislang auf ein eher durchwachsenes Jahr zurückblickt. Die beste Platzierung des 32-Jährigen ist Rang 20 bei der Canary Islands Championship Anfang Mai. Doch in Hamburg findet er zu seinem Spiel. „Es ist meine Stärke, mich auf meinen Plan zu konzentrieren“, sagte Southgate nach der Runde. „Ich habe schon länger das Gefühl, dass ich einer der besten Spieler mit dem Driver weltweit bin, das gibt mir ein gutes Gefühl. Das hat jetzt gut funktioniert. Wenn die Bedingungen mit hohem Rough und engen Fairways so sind wie in dieser Woche ist es ein wirklich guter Test unserer Golf-Fähigkeiten, das mag ich.“

Für einige Top-Stars des Turniers ist hingegen bereits nach zwei Runden Schluss: Martin Kaymers erster Auftritt auf dem Porsche Nord Course endet drei Schläge unterhalb der Cut-Linie bei sechs über Par. Dennoch nimmt der deutsche Major-Sieger auch Positives aus den 36 herausfordernden Löchern auf dem anspruchsvollen Par-72-Kurs mit. „Es ist wirklich einer der schwersten Plätze, den ich auf der European Tour gespielt habe und definitiv der schwerste Platz in Deutschland. Von daher war es für die US Open, die in zwei Wochen anstehen, sehr gut, dass ich hier mitgespielt habe“, so der deutsche Major-Sieger. Kaymers prominente Flightpartner Henrik Stenson (+10, Schweden) und Abraham Ancer (+8, Mexiko) schafften es ebenfalls nicht ins Wochenende.

Stenson: „Ich hoffe, ich komme wieder“

„Es ist eine enttäuschende Woche auf dem Golfplatz, aber ich habe mich abseits des Platzes gut amüsiert“, sagte Stenson. „Alle sind freundlich und es herrscht eine nette Atmosphäre. Ich hoffe also, dass ich irgendwann in der Zukunft wiederkommen werde.” Ähnlich äußerte sich Ancer, der sich wie alle Profis über die Rückkehr der Zuschauer freute: „Es ist so schade, denn ich war wirklich motiviert für dieses Event und ich denke, alle haben einen tollen Job gemacht.“

Einige Deutsche können hingegen mit der Finalrunde planen. Marcel Schneider geht als bester Deutscher (-1, T11) auf die letzten 18 Löcher, ebenso Sebastian Heisele (+1, T32), Maximilian Kieffer und Bernd Ritthammer (+3, T55). „Es ist natürlich ein bisschen blöd jetzt mit nur noch einer Runde. Da kann ich mich nicht mehr so gut nach vorne arbeiten. Gerade jetzt, da ich meinen Rhythmus gefunden habe. Aber man sieht ja, es ist eng beisammen“, sagte Kieffer nachdem er sich mit einem wichtigen Birdie an der 18 noch über die Cut-Linie geschoben hatte.

Titelverteidiger Paul Casey verbesserte sich mit einer starken 69er Runde und hat nun als geteilter 19. bei Even Par wieder Kontakt zur Spitzengruppe. „Ich habe viele sehr gute Bälle geschlagen, aber es ist einfach ein sehr schwieriger Golfplatz. Ich versuche, mich nicht frustrieren zu lassen. Wir spielen alle den gleichen Kurs. Das ist Golf.“

Stimmen Sonntag: “Toll, vor Publikum zu spielen”

Maverick Antcliffe | 71, 68 (-5)

„Ich kann gar nicht wirklich sagen, warum mir dieser Golfplatz bislang so gut liegt. Ich versuche einfach, Fairways und Grüns zu treffen. Ich versuche einfach, so weiterzumachen. Ich will geduldig bleiben. Es gibt viele tolle Löcher da draußen und man muss sich einfach in Position bringen und dann versuchen, die Chancen zu nutzen. Ich bin ein großer Porsche-Fan, es war knapp an der 17, fast hätte es gereicht für das Auto. Aber ich werde es noch einmal versuchen morgen.“

Matthew Southgate | 70, 69 (-5)

„Es ist meine Stärke, mich auf meinen Plan zu konzentrieren. Ich habe schon länger das Gefühl, dass ich zu den besten Spielern mit dem Driver weltweit bin, das gibt mir ein gutes Gefühl. Das hat jetzt gut funktioniert. Wenn die Bedingungen mit hohem Rough und engen Fairways so sind wie in dieser Woche ist es ein wirklich guter Test unserer Golf-Fähigkeiten, das mag ich. Für mich ist morgen, smart zu bleiben und schauen, dass alle Spaß haben beim Zuschauen. Wir stecken alle sehr viel Liebe in diesen Sport und ich hoffe, dass ich morgen keine Fehler mache, weil ich nicht fokussiert bin.

Eduardo Molinari | 75, 65 (-4)

„Alles war sehr gut, muss ich sagen. Mein Putten war anständig, nicht spektakulär, aber anständig. Alles in allem ein sehr guter Tag. Ich denke, es ist einer der besten Plätze, die wir das ganze Jahr über spielen. Es zeigt einfach, dass man den Ball gut treffen muss und dass jeder Teil des Spiels auf den Punkt sein muss. Wir sollten mehr Kurse wie diesen spielen. Ich habe nicht auf das Leaderboard geschaut, um ehrlich zu sein, ich habe nur versucht, eine gute Runde zu spielen, und das werde ich auch morgen versuchen.“

Marcel Schneider | 70, 74 (-1)

„Ich würde sagen, es war ein ordentlicher Tag. Unterm Strich hätte es aber etwas besser sein können. Ich habe die Eisen nicht so sicher geschlagen wie gestern – es waren aber auch deutlich längere Eisen ins Grün heute. Und da war es schwer, an die Fahnen ranzukommen. Ich habe aber versucht, geduldig zu bleiben und das auch geschafft. Und für morgen ist ja noch alles drin. Hier kann man schon auch drei, vier unter Par spielen. Aber da muss es schon glatt laufen. Schauen wir mal. Vor Publikum zu spielen ist toll und macht viel mehr Spaß. Ich hoffe, das ist erst der Anfang und es folgen noch einige Turnier mit Zuschauern.

Martin Kaymer | 73, 77 (+6)

„Ich habe wirklich versucht, meinen Score zusammenzuhalten und mir Chancen zu erarbeiten. Doch das Setup des Platzes war heute auch sehr schwer von den Fahnenpositionen her. Und viele Abschläge waren auch weit hinten. Ich habe heute einige Nackenschläge bekommen und an Bahn 9 gab’s dann den Knockout.  Unsere ganze Gruppe (Stenson, Ancer, d. Red.) hat relativ wenig Birdies gemacht, wir haben viele Lip-Outs gehabt und haben uns schwergetan, die Putt-Linien richtig zu lesen. Keiner von uns kam wirklich in den Flow rein. Ich war ja der Einzige, der zumindest gestern auf den ersten 13 Löchern solide gespielt hat. Diese Woche war schon eine gute Vorbereitung auf die US Open. Es ist wirklich einer der schwersten Plätze, den ich auf der European Tour gespielt habe und definitiv der schwerste Platz in Deutschland. Von daher war es für das Turnier, das in zwei Wochen ansteht, sehr gut, dass ich hier mitgespielt habe.“

Paul Casey | 75, 69 (Par)

„Ich habe viele sehr gute Bälle geschlagen, aber es ist einfach ein sehr schwieriger Golfplatz. Ich versuche, mich nicht frustrieren zu lassen. Wir spielen alle den gleichen Kurs. Das ist Golf. Es ist ein toller Golfplatz, diese Woche ist fantastisch. Ich habe heute sehr gut gespielt und vielleicht fallen morgen die Putts rein, die heute ausgelippt sind und dann kann ich den Blinker links setzen und aufholen.“

Henrik Stenson | 77, 77 (+10)

“Spielerisch ist es eine enttäuschende Woche für mich. Ich kämpfe mit meinem langen Spiel und dieser Platz hier ist ein langer Golfplatz mit schwierigem Rough. Man muss die Fairways und die Grüns treffen. Und immer, wenn es mir gelungen ist, ein Fairway zu treffen, habe ich das Grün beim zweiten Schlag verfehlt, und wenn ich das Fairway beim Abschlag verfehlt habe, ist die Chance auf Par natürlich gering, wenn man keine guten Eisenschläge hat. So ging es die ganze Woche hin und her und ich habe einfach nicht annähernd so gespielt, wie ich spielen muss, um den Cut zu schaffen. Eine enttäuschende Woche und sogar eine enttäuschende Gruppe. Das ist für niemanden von uns ein schönes Gefühl. Aber man muss sich davon erholen und versuchen, es beim nächsten Mal besser zu machen.”

“Es ist schön, die Fans wieder da draußen zu sehen und ich bin mir sicher, dass sie es genossen haben, wieder etwas Live-Golf zu sehen. Es ist also eine enttäuschende Woche auf dem Golfplatz, aber ich habe mich abseits des Platzes gut amüsiert. Wir befinden uns immer noch in einer Art Blase, aber alle sind freundlich und es herrscht eine nette Atmosphäre. Ich hoffe also, dass ich irgendwann in der Zukunft wiederkommen werde.”

Abraham Ancer | 76, 76 | (+8)

“Ich bin sehr enttäuscht. Ich habe mich schon eine ganze Weile auf dieses Event gefreut und ich wusste, dass der Golfplatz schwierig sein würde. Ich hatte bei so ziemlich allem ein bisschen zu kämpfen. Ich hatte nicht das Gefühl, dass ich so schlecht spiele, aber ich habe einfach keine Birdie-Chancen bekommen – und selbst wenn ich sie hatte, habe ich nichts gelocht. Es ist so schade, denn ich war wirklich motiviert für dieses Event und ich denke, alle haben einen tollen Job gemacht. Wir haben einfach nicht sehr gut gespielt – auch als ganze Gruppe. Die Veranstalter haben einen tollen Job gemacht – gerade mit den ganzen COVID-Regeln. Ich meine, wir haben ein paar Fans hier draußen. Ich bin sicher, sie hatten eine tolle Zeit. Ich bin sicher, dass sie schon eine ganze Weile keinen Live-Sport mehr gesehen haben. Es war also schön, dass sie hier waren, aber ich hätte mir gewünscht, dass wir ihnen eine bessere Show geboten hätten.

Sebastian Heisele | 75, 70 (+1)

„Ich bin definitiv zufrieden! Gerade nach gestern und dem Kampf mit 4 über nach 9. Es war ein schwieriger Start ins Turnier. Aber ich habe mich heute ganz gut gerettet. Und ich schaue natürlich, was ich morgen noch retten kann. Aber mein Spiel war heute auch wirklich besser als gestern. Ich habe viel mehr Fairways getroffen und da wird es natürlich einfacher als aus dem dicken Rough. Somit habe ich auch viel mehr Grüns getroffen und konnte die Bogeys von der Karte halten. Es ist wirklich schön, hier zu einer gewissen Normalität zurückzukehren. Das waren jetzt schwierige 14/15 Monate für uns.  Umso schöner ist, die European Tour wieder so spielen zu können, wie wir sie eigentlich kennen – mit Publikum. Und es pusht natürlich einen auch immer, wenn man vor heimischem Publikum spielt.“

Matthias Schwab | 71, 72 (-1)

„Ich durchweg zufrieden. Auf den ersten Neun war mein Spiel sehr solide und ich habe ein paar wirklich gute Schläge gemacht. Am Ende habe ich’s dann versiebt, das muss man ehrlich sagen. Auf den zwei Par 5 an der 15 und an der 16. Da hat der Kurs seine Zähne gezeigt: wenn man nur ein bisschen off Line ist und man liegt im dicken Rough, geht es sofort rückwärts. Es ist etwas schwierig, in der einen Finalrunde morgen mit der Brechstange heranzugehen. Das ist auf dem Platz hier sicher kontraproduktiv. Ein Fehler und man ist ganz schnell weg vom Fenster. Die Strategie für morgen wird also ähnlich sein, wie heute – und wer weiß, vielleicht ist es ja mein Tag morgen.“

Maximilian Kieffer | 74, 73 (+3)

„Ich habe wirklich sehr gut gespielt heute, kaum ein Fairway verfehlt und auch kein Grün. Ich habe leider nicht so gut gescored und wenige Putts gelocht. Aber das Birdie am letzten Loch war natürlich wichtig, um den Cut zu machen. Es ist natürlich ein bisschen blöd jetzt mit nur noch einer Runde. Da kann ich mich nicht mehr so gut nach vorne arbeiten. Gerade jetzt, da ich meinen Rhythmus gefunden habe. Aber man sieht ja, es ist eng beisammen. Ich bin nur drei Schläge von den Top 20 entfernt. Und Top 20 wäre schon ein solides Ergebnis. Man muss hier einfach solide Schläge machen und kann auch nicht zu aggressiv sein auf diesem Platz. Man muss schon auch ein bisschen taktisch spielen.“

Marcel Siem | 74, 74 (+4) – Cut

Es war ein bisschen rough heute morgen und ich habe gleich mit Doppel-Bogey, Bogey begonnen. Ich habe mich aber dann ganz gut gefangen und bin eigentlich auch ganz zufrieden. Als Golfprofi mit +4 zu sagen, dass man gut gespielt hat, hört sich natürlich blöd an. Aber auf der Wiese hier ist das nicht schlecht! Der Platz gibt Dir nicht viele Birdies. Man muss blöde Fehler unterlassen.

Marc Hammer | 74, 74 (+4) – Cut

Ich habe wirklich gut gespielt und lag eins unter für die Runde nach der 14.  Ich konnte sehr viele Grüns treffen und eine Menge Putts machen. Aber am Ende war es dann doch relativ bitter mit den drei Bogeys auf den letzten vier Löchern. Ein doofer Abschlag rechts weg und dann den falschen Schläger genommen. Aber ich nehme die beiden 74er Runden gerne mit. Der Platz ist wirklich megaschwer – und hier zweimal zwei über zu spielen, da kann man schon echt happy sein.

Kaymer, Stenson, Wiesberger: Presserunden

Einen Tag vor dem Beginn der Porsche European Open 2021 stellten sich die Topstars Martin
Kaymer, Henrik Stenson und Bernd Wiesberger den Fragen der Journalisten. Alle drei rechnen sich gute
Chancen aus und fühlen sich bislang sehr wohl in Hamburg – auch wenn keiner einen einfachen Kurs in dieser
Woche erwartet.

Martin Kaymer

Anspruchsvoll, aber spaßig. So beschrieb Kaymer den Porsche Nord Course, der alle Profis vor eine große
Herausforderung stellen wird. „Ich bin einfach mal gespannt, wie lang wir den Golfplatz wirklich spielen
werden“, so der beste deutsche Golfer, dem das Setup entgegenkommen könnte. „Du musst schon wirklich
sehen, dass, wenn du einen Fehlschlag machst, du ihn auf der richtigen Seite platzierst. Und das macht mir
schon irgendwie Spaß, solche Plätze zu spielen, wo du mitdenken und vorplanen musst. Nicht einfach nur
ballern, irgendwie aufs Grün und dann die Birdies einsammeln.“ Sein Stamm-Caddie Craig Connelly wird ihm
bei diesem Vorhaben leider nicht helfen können. Stattdessen greift Kaymer auf seinen Bruder Phillip zurück,
der nicht zum ersten Mal die Tasche des zweifachen Major-Siegers trägt. „Wir haben auch schon damals viele
Turniere zusammen gespielt. Er kennt natürlich auch die European Tour und wir als Brüder werden dann auch
eine schöne Woche zusammen haben.“

Doch nicht nur Bruder Philipp ist in dieser Woche an Kaymers Seite. „Meine Freundin ist, wie schon in
Österreich, dieses Mal auch wieder dabei. Das ist schön. Mein Vater wäre auch noch gerne gekommen. Aber es
dürfen natürlich auch wirklich nur eine bestimmte Anzahl von Leuten dabei sein bei den Turnieren, die du
mitbringen darfst.“ An Unterstützung der Zuschauer wird es dem deutschen Fan-Liebling in dieser Woche aber
sicher nicht mangeln.

Henrik Stenson

Zu den Fan-Lieblingen darf sich auch der sympathische Schwede zählen, der in den ersten beiden Runden an
der Seite von Kaymer spielen wird (Tee Time: 13 Uhr, Tee 1). Doch nicht nur als Fan ist man froh, ihn in dieser
Woche hier in Hamburg begrüßen zu dürfen. Auch Stenson tut die europäische Luft sichtlich gut. „Es ist ein
schönes Gefühl“, schwärmte der ehemalige Open Champion. „Ich sehe viele alte Freunde und Spieler, die ich
normalerweise nicht so häufig treffe.“ Stenson wohnt seit einigen Jahren in den USA und kommt nur noch
gelegentlich über den großen Teich. „Es ist eine Rückkehr zum Essen und zur Kultur. Immerhin bin ich auf
europäischen Plätzen groß geworden und habe viele Jahre auf der European Tour gespielt.“

Doch Stenson hat in dieser Woche mehr vor als nur in Erinnerungen zu schwelgen. Nach einem sieglosen Jahr
2020 will er zu alter Stärke zurückkehren und gibt auch die Teilnahme am Ryder Cup noch nicht auf. Zumal er,
obwohl er bereits fünf Mal Teil des Teams war und davon drei Mal den Pokal in seinen Händen halten durfte,
beim Kontinentalvergleich noch eine Rechnung offen hat. „Alle Siege waren in Europa. Um meine Ryder-CupKarriere perfekt zu machen, würde ich gerne mal auf US-amerikanischem Boden gewinnen.“ In diesem Jahr
hätte er nochmals die Gelegenheit.

Bernd Wiesberger

Der Österreicher tritt als Vorwochensieger an, nachdem er beim Made in HimmerLand Turnier in Dänemark
seinen Titel erfolgreich verteidigte. Wiesberger kehrte dank seines achten European-Tour-Titels zurück unter
die Top 50 der Weltrangliste und ist damit bei der US Open in Torrey Pines gesetzt. „Ich habe Anfang dieser
Woche einen Flug nach San Diego gebucht“, so der 35-Jährige, dem jedoch auch bewusst ist, dass ihm diese
Woche nichts geschenkt wird. „Für einen selber ist es natürlich gut zu wissen, dass man eine Woche vorher
gewonnen hat, aber wir fangen alle wieder bei null an und von dem her bekommt man da keine Schläge
geschenkt oder irgendeinen Bonus.“ Und doch zeigte sich Wiesberger optimistisch, dass er weiter auf der
Erfolgswelle surfen kann. „Normalerweise war es bei mir immer so, dass ich dann über einen gewissen
Zeitraum ganz gutes Golf gespielt habe. Und ich hoffe natürlich, dass der Sieg aus der vergangenen Woche dies
auch wieder auslöst. Vor allem, weil wir jetzt in einen wichtigen Sommer mit großen Turnieren gehen.“

Der Startpunkt für diese entscheidende Phase könnte also deutlich schlechter sein. Zumal Wiesberger mit dem
Ryder Cup im September ein großes Ziel vor Augen hat. „Idealerweise spiele ich noch ein paar Turniere wie
letzte Woche“, erklärte Österreichs Nummer eins. Aktuell liegt Wiesberger noch knapp außerhalb der Ränge,
die eine automatische Qualifikation für den Ryder Cup bedeuten würden. „Ende August wird abgerechnet und
hoffentlich steht dann mein Name auf der Liste.“ Eine gute Woche hier in Hamburg wäre ein weiterer Schritt in
Richtung Whistling Straits, dem Austragungsort des diesjährigen Ryder Cups.

 

Night Shootout: Top-Stars lassen es krachen

Auf der 17. Bahn des Porsche Nord Course ging es am späten Donnerstagabend noch nicht um den Porsche Taycan Turbo S Cross Turismo, der dort in der Turnierwoche als Hole-in-One-Preis auf den erfolgreichen Kunstschützen wartet. In einem Nearest-to-the-Pin-Contest spielten die Top-Stars des Turniers untereinander aus, wer als erster Spitzenreiter des Events das Leader’s Car, einen Taycan Turbo S, bis zum Turnierauftakt am Samstag fahren darf.

Am spektakulär beleuchteten Par 3 sorgten Titelverteidiger Paul Casey, Martin Kaymer, Henrik Stenson, Abraham Ancer und Max Kieffer für eine Sternstunde und brillierten nicht nur stellenweise mit Schlägen, die Zentimeter neben der 155 Meter entfernten Fahne zum Liegen blieben. Mit dem tatsächlich letzten Schlag beendete Henrik Stenson das beeindruckende erste Night Shootout mit einem lauten Knall. Er traf nicht ins Loch, er traf nicht einmal das Grün – doch er traf die Drohne, die über ihm für die Bilder aus der Luft zuständig war.

Zentimeter-Entscheidung
Für den Sieg reichte der Kunsttreffer nicht. Den holte sich Martin Kaymer mit 35 Zentimetern vor Paul Casey, der im Probe-Durchgang auf 36 Zentimeter gekommen war, es in seinen offiziellen drei Versuchen jedoch „nur“ auf 46 Zentimeter brachte. So musste Titelverteidiger Casey dem Deutschen am Ende die Schlüssel für das Leader’s Car überreichen – und Kaymer düste als erster Sieger eines Night Shootouts auf dem Porsche Nord Course in die dunkle Nacht.

„Das war wirklich eine schöne und lustige Aktion heute Nacht“, sagte Martin Kaymer am nächsten Morgen, als er mit dem Leader’s Car wieder auf die Anlage kam. „Es war meine erste Fahrt mit diesem Auto – was eine Kraft. Unglaublich beeindruckend.“ Auch Abraham Ancer war begeistert vom Night Shootout: „Es war super. Und Henriks Schlag? Unfassbar.“

„Rundum gelungener Abend“
„Es hat großen Spaß gemacht, den Jungs zuzusehen – auch weil sie selbst so eine Freude hatten. Nach einem langen Tag auf der Anlage war das keine Selbstverständlichkeit“, sagte Turnierdirektor Dirk Glittenberg, Geschäftsführer der U.COM Event. „Und die Schläge wecken tatsächlich die Hoffnung, dass es in diesem Jahr etwas werden könnte mit dem Hole-in-One an der 17.“

Die Top-Stars und ihre Begleitpersonen hatten vor dem Night Shootout ein besonderes Dinner im Garden Bistro am 18. Fairway genossen. 3-Sterne-Koch Thomas Bühner hatte seine Gäste mit einem 3-Gänge-Menü verwöhnt. „Das Essen war großartig“, schwärmte Ancer. Und Kaymer ergänzte: „Das war wirklich ein rundum gelungener Abend.“

 

Top-Stars der Porsche European Open 2021

 

  • Martin Kaymer: „Ein sehr spannendes Spielerfeld, das hochklassigen Golfsport verspricht.“
  • Abraham Ancer, mexikanischer Shooting-Star der US PGA Tour, gibt sein Europa-Debüt
  • Major-Sieger Henrik Stenson feiert Premiere bei den Porsche European Open
  • Titelverteidiger Paul Casey freut sich auf starke Konkurrenz
  • Maximilian Kieffer und Nicolai von Dellingshausen wollen ihre starke Frühlingsform nutzen
  • Umfassende TV-Berichterstattung auf Sky Sport, Sky Sport News, GOLFTV und Eurosport

 

Martin Kaymer blickt gespannt auf seinen ersten Start in Deutschland nach knapp zwei Jahren ­und eine Premiere bei den Porsche European Open 2021: Zum ersten Mal wird der zweimalige Major-Sieger auf dem herausfordernden Porsche Nord Course der Green Eagle Golf Courses in der Metropolregion Hamburg abschlagen – und dabei vom 3. bis 6. Juni 2021 auf namhafte Konkurrenten treffen. Neben Titelverteidiger Paul Casey, der seinen Start früh zusagte, wird der Mexikaner Abraham Ancer, die Nummer 26 der Welt, auf das europäische Festland reisen. Zudem gibt der schwedische Major-Sieger Henrik Stenson sein Debüt.

„Es ist ein sehr spannendes Spielerfeld, das hochklassigen Golfsport verspricht“, sagt Martin Kaymer. „Ich bin sehr glücklich darüber, in Hamburg am Start zu sein. Ich mag die Stadt und habe auch aus Amateurtagen wirklich positive Erinnerungen. Zudem habe ich über das Turnier und den Porsche Nord Course von Tourkollegen sehr gute Dinge gehört. Der Kurs ist nicht nur lang – er bietet auch viele Setup-Optionen für die Turnierwoche. Das ist eine tolle Sache, das macht es für uns Spieler sehr interessant.“

Abraham Ancer, der 2019 als erster mexikanischer Golfer im International Team des Presidents Cup Geschichte schrieb und 2020 den Sprung in die Top 25 der Welt schaffte, kann seinen ersten Start in Deutschland kaum erwarten: „Zu sagen, ich wäre begeistert, wäre noch untertrieben“, so Ancer. „Ich freue mich auf die vielen neuen Erfahrungen, einen herausfordernden Golfkurs und als Auto-Liebhaber auf die vielen spektakulären Porsche Sportwagen. Hoffentlich finde ich die Zeit für ein paar Ausfahrten.“ Porsche Markenbotschafter Paul Casey schaut mit großer Vorfreude auf seine Titelverteidigung: „Ein starkes Feld ist immer eine gute Sache. Martin mit all seinen Titeln ist ein Superstar, gerade in Deutschland. Ihn am Sonntag auf den letzten Löchern herauszufordern – für diese Momente spielen wir, das wäre großartig. Die Jungs sind meine Freunde – und natürlich will ich sie schlagen.“

15 frühere Ryder-Cup-Spieler und viele Deutsche Stars im Feld

Bislang stehen zudem insgesamt 15 frühere Ryder-Cup-Spieler auf der Meldeliste, darüber hinaus in Alexander Lévy, Jordan Smith und Richard McEvoy drei ehemalige Titelträger der Porsche European Open. Zum hochklassigen Feld gehören auch die deutschen Golfer Maximilian Kieffer und Nicolai von Dellingshausen, die zuletzt mit Spitzenergebnissen auf der European Tour für Aufsehen sorgten. Daneben werden aus deutscher Sicht unter anderem Sebastian Heisele und der mehrfache European-Tour-Sieger Marcel Siem als heimische Hoffnungsträger abschlagen.

Siem ist dabei der einzige Spieler im Feld, dem es bei den Porsche European Open bisher gelang, sich einen der spektakulären Hole-in-One-Preise zu sichern. 2017 lochte er an der 17 zum Ass und gewann einen Porsche Panamera Turbo Sport Turismo. In diesem Jahr lockt die Spieler ein Taycan Turbo S Cross Turismo, das erste Derivat des erfolgreichen Elektro-Sportwagens.

Hoffnung auf Zuschauer besteht weiter

Beim Kampf um einen der prestigeträchtigsten Titel der European Tour dabei zu sein – dieses Erlebnis will der Veranstalter zumindest einer gewissen Zahl an Zuschauern vor Ort ermöglichen. So wird die Umsetzung eines Events mit Besuchern weiter verfolgt. „Die Zusammenarbeit mit den Behörden und der European Tour ist sehr konstruktiv. Klar ist, dass bei allen möglichen Szenarien die Sicherheit der Beteiligten im Vordergrund steht. Vor diesem Hintergrund arbeiten wir intensiv an einer Lösung“, so Turnierdirektor Dirk Glittenberg.

Multimediale Berichterstattung

Um den Zuschauern zuhause ein umfassendes TV-Erlebnis zu bieten, sind die Porsche European Open live an allen vier Turniertagen (Donnerstag und Freitag jeweils von 13 bis 18 Uhr, Samstag von 13.30 bis 18 Uhr und Sonntag von 13 bis 17.30 Uhr) auf dem Pay-TV-Sender Sky Sport sowie frei zugänglich als Livestream auf skysport.de und der Streaming-Plattform GOLFTV zu verfolgen. Eurosport sendet zudem täglich eine einstündige Zusammenfassung des Turniers am Morgen des Folgetags. Der frei empfangbare TV-Sender Sky Sport News HD wird bereits ab Mittwoch vor Ort täglich nachrichtlich vom Porsche Nord Course mit Interviews der deutschen Spieler und der internationalen Topstars berichten. Auf der Turnier-Website entsteht ein Info-Hub mit einem multimedialen Angebot wie einem kostenlosen Livestream und einem Live-Scoring. Darüber hinaus werden Fans auf Social Media unter anderem die Möglichkeit haben, den Spitzenreitern des Turniers Fragen zu stellen.